Elterninstinkte  

Bindungsorientierte Familienbegleitung vor und nach der Geburt

Das korrekte Anlegen

Stillen ist etwas vollkommen natürliches und dennoch benötigen wir einiges an Wissen und Fertigkeiten um diesen natürlichen Prozess umsetzen zu können. Gerade in der heutigen Zeit, in welcher stillende Mütter kaum sichtbar in der Öffentlichkeit sind und wir selten stillende Frauen in unserem privaten Umfeld als Vorbilder haben, denen wir nachahmen können.

Gelungenes Anlegen an die Brust hilft deinem Baby dabei mehr Milch aus deiner Brust zu gewinnen und schützt dich als stillende Mutter gleichzeitig vor wunden Brustwarzen oder Milchstau/Mastitis. Korrektes Anlegen ist daher sehr wichtig für erfolgreiches Stillen. 
Aber worauf kommt es denn nun genau an beim Anlegen?
Der Schlüssel zum erfolgreichen Anlegen liegt im "Mund voller Brust". Unsere Babys sind durch ihre gesamte Mundmotorik, ihre Zunge, den Gaumen und die Lippen von Natur aus dazu ausgestattet zu stillen, jedoch benötigen sie dafür die richtigen Bedingungen von uns. Wenn dein Baby den Mund weit geöffnet hat und dabei möglichst viel Brust in den Mund nimmt und die Brustwarze dabei an den Gaumen gerichtet ist, hat dein Baby die besten Voraussetzungen die Milch aus deiner Brust zu gewinnen, den Milchspendereflex auszulösen und seinen Bedarf anzumelden.
Wird hingegen vorwiegend nur an der Brustwarze genuckelt, kann die Brust im Mund nicht richtig bearbeitet werden, die Zunge kann ihre wellenartige Bewegung nicht ausführen, das Neugeborene kann nicht effektiv saugen und es wird nicht ausreichend Muttermilch gewonnen. Das kann zu wunden oder sogar blutigen Brustwarzen führen oder sogar eine Brustentzündung begünstigen, eine sogenannte Mastitis. Außerdem wird die Milchmenge sich graduell verringern, denn wenn die Brust nicht regelmäßig vollständig entleert wird, denkt der Körper es wird weniger Milch benötigt. Weitere Probleme eines nicht korrekten Anlegens können daher auch eine Gewichtsstagnation oder sogar eine Gewichtsabnahme sein. In diesen Fällen wird Müttern oft dazu geraten bereits wenige Tage nach der Geburt mit dem Fläschchen zuzufüttern. Ist das Baby durch andere Milch gesättigt, wird es noch weniger aus der Brust trinken und deine Milchmenge wird sich weiter reduzieren. Nebenbei kann durch die Gabe eines Fläschchens eine sogenannte Saugverwirrung bei deinem Kind entstehen, da das Bewegungsmuster an der Flasche komplett von dem zur Brust abweicht. Solltest du in Erwägung ziehen zuzufüttern, nimm Kontakt mit einer Stillberaterin auf, das ist auch kurzfristig möglich und lasse dich zu stillfreundlichen Alternativen beraten.

Neben dem Mund voller Brust solltest du darauf achten, dein Baby immer dann zu stillen, wenn es hungrig ist. Frühe Anzeichen von Hunger können das Nuckeln am Händchen, die Hände zum Mund führen, das unruhige Verhalten, das seitliche bewegen des Kopfes oder das Schnüffeln sein. Bevor es anfängt zu weinen ist es ruhiger und entspannter und kann den anstrengenden Prozess besser üben.

Ein wichtige Rolle im Erfolg des Anlegens spielt auch die Stillposition. Es gibt sehr viele verschiedene Positionen in denen das Stillen in verschiedenen Situationen möglich ist. Eine Stillberatung kann dir im Zweifel genau erklären, in welcher Situation eine Stillposition zweckmäßig sein kann. Für den Anfang empfiehlt es sich, das Baby auf dem Bauch liegen zu haben, wenn möglich im Haut-zu-Haut Kontakt, während man selbst leicht zurückgelehnt sitzt. Somit ermöglicht man dem Neugeborenen seine naturgegebenen Fähigkeiten für das Stillen optimal anwenden zu können. Gleichzeitig ist es für den Säugling vergleichsweise einfach in dieser Position eine möglichst große Portion Brust in den Mund zu bekommen. Wird in einer anderen Stillposition angelegt, so solltest du darauf achten, dein Baby in eine Position zu bringen, in welcher es selbst an die Brust andocken kann. Berühre mit deiner Brustwarze die Oberlippe deines Kindes leicht, sodass dein Baby tief andocken kann. Der Kopf des Babys sollte dafür frei beweglich sein und dennoch unterstützt. Der Mund sollte weit offen sein und das Kinn an der Brust anliegen. Die Unterlippe sollte möglichst nach außen gestülpt und die Wangen gerundet sein. 

Besonders das erste Stillen nach der Geburt, in der sogenannten "goldenen Stunde" ist für Mama und Kind ein besonderes und wichtiges Ereignis und setzt den Grundstein für die weitere Stillbeziehung. Daher gewinnen die Stillvorbereitungen in der Schwangerschaft in Deutschland in den letzten Jahren immer mehr an Popularität. Es empfiehlt sich parallel zum Geburtsvorbereitungskurs ein Stillvorbereitungskurs zu besuchen, in welchem du alle wichtigen Grundlagen für deinen perfekten Stillstart erfährst.

Sollte dein Baby Schwierigkeiten beim Anlegen oder Stillen haben, trinkt es schnell und ohne Pausen oder verliert es beim Stillen oft das Vakuum, den Saugschluss, könnte das ein Hinweis auf ein Stillproblem sein. Hast du Schmerzen beim Stillen, wunde Brustwarzen oder das Gefühl dein Baby bekommt nicht genug Milch, solltest du das abklären lassen. Stillen sollte angenehm sein.

Neben dem korrekten Anlegen können auch viele andere Ursachen, wie beispielsweise ein zu kurzes Zungenband solche Stillprobleme verursachen. 

Wenn du Hinweise auf die oben genannten Symptome gefunden haben solltest, empfehle ich immer eine professionelle Stillberatung. 


  

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